Corona-Lockerungen: BesD fordert Gleichbehandlung von nicht-medizinischer und erotischer Massage

Anschreiben des Berufsverbands an jene Bundesländer, die im Zuge der Corona-Verordnungen bereits wieder nicht-medizinische Massagen zulassen.


Sehr geehrte Mitglieder der Landesregierungen!

In Ihrem Bundesland sind die Regelungen zur Bekämpfung des Corona-Virus insofern gelockert worden, dass auch nicht-medizinische Massagepraxen wieder öffnen dürfen und nicht-medizinische Massagen erneut für selbstständige Dienstleistende zugelassen sind.

Gewerberechtlich gelten sowohl Salons, die erotische Massagen anbieten, sowie Tantra-Massagestudios als Prostitutionsstätten, die noch nicht wieder den Betrieb aufnehmen dürfen.

Im Rahmen einer Massage werden an diesen Orten erotische Dienstleistungen, unter anderem in Form von sogenannter „Handentspannung“ angeboten. Von diesen zusätzlichen Dienstleistungen geht aber keine zusätzliche, von anderen nicht-medizinischen Massagen abweichende Infektionsgefahr aus. Die geforderten Abstands- und Hygiene- Regeln können auf identische Weise eingehalten werden.

Im Sinne der Übertragung und Bekämpfung des Corona-Virus besteht kein Unterschied zwischen einer nicht -medizinischen Massage und einer erotischen Massage. 

Die meisten in der Sexarbeit tätigen Menschen verdienen nicht ausreichend. Dementsprechend fehlt für die Bildung von Rücklagen, die über eine so lange Zeit des Verdienstausfalls hinweghelfen würden, schlicht das Geld. Anbieter*innen aus dem Bereich der erotischen Massagen sind besonders betroffen – denn dort ist die Entlohnung vergleichsweise noch schlechter, als in anderen Bereichen der Branche.

Um den Unsicherheiten hinsichtlich der Erlaubnis von Massage-Angeboten entgegen zu wirken, fordert der Berufsverband eine Gleichbehandlung von nicht-medizinischer und erotischer Massage. Wir beziehen uns in diesem Schreiben nur auf den Bereich der erotischen Massage und nicht auf andere Angebote der Sexarbeit. Wir gehen den Kurs Ihres Bundeslandes mit und befürworten die schrittweise Lockerung der Beschränkungen.

Wir wünschen uns eine faire Teilhabe der Menschen in unserer Branche an den Lockerungen im Rahmen der Corona-Krise in Deutschland.

Wir bitten Sie, sich auch für die Rechte der Menschen einzusetzen, die erotische Massagen anbieten und die derzeitige Verordnung im Sinne der Gleichbehandlung von erotischen und nicht-medizinischen Massagen entsprechend zu kommentieren oder zu ergänzen.

 


Kontakt:

Johanna Weber (politische Sprecherin des BesD)
johanna@besd-ev.de

3 thoughts on “Corona-Lockerungen: BesD fordert Gleichbehandlung von nicht-medizinischer und erotischer Massage”

  1. Sehe ich auch so. Gute Argumentation! Ich würde sogar noch weiter gehen. Ist die Infektionsgefahr in einem BDSM-Studio größer als bei einem Tätowierer oder bei einer Kosmetikbehandlung? Wohl kaum. Und das Tragen von Gesichtsmasken ist in diesem Bereich im Gegensatz zum Kosmetikstudio auch für den Kunden möglich 😉

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  2. Vielen Dank für Ihren offenen Brief zu obigem Thema. Es freut mich, dass Sie
    darauf aufmerksam machen, dass hier praktisch gleiche Tätigkeiten ungleich von
    der Politik behandelt werden und viele Existenzen im Tantrabereich unnötig
    gefährdet werden.

    Aus meiner, zugegebenermaßen unmassgeblichen, Sicht sind allerdings
    Tantramassagen auch jetzt schon erlaubt! Die Einschränkungen der
    verfassungsrechtlich bestehenden persönlichen Rechte und Freiheiten beruhen
    auf dem Infektionsschutzgesetz. Der Gesetzgeber muss begründen, warum er diese
    Freiheiten weiterhin einschränkt! Im Falle der Massagen hat er meines Wissens
    keine Begründungen geliefert, warum Tantramassagen vom Infektionsschutz anders
    zu handhaben wären, als andere Wellnessmassagen. Das heißt im Umkehrschluss,
    dass sie unter den gleichen Rahmenbedingungen erlaubt sind. Zumindest, wenn es
    sich um reine Massageinstitute handelt, wo keine anderen Dienstleistungen
    angeboten werden, die derzeit noch verboten wären.

    Das diese Institute in anderen Fragen einer anderen Gesetzgebung unterliegen,
    hat auf die verfassungsrechtlich zugesicherten Freiheiten keine Auswirkung!

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